Zwettl

Am Anfang war – der Ort. Denn der Platz, an dem das Kloster Zwettl am Neujahrstag des Jahres 1138 gegründet wurde, war sozusagen von höchster Stelle bestimmt worden: Dem Stifter Hadmar I. von Kuenring und dem ersten Abt von Zwettl, Hermann, hatte die Gottesmutter Maria im Traum verheißen, dass eine im Winter grünende Eiche anzeigen würde, wo man das neue Kloster errichten solle. Das Wunder – denn die nächtliche Vision sollte in Erfüllung gehen – blieb im Bewusstsein von Stift Zwettl lebendig: Sowohl im spätgotischen Hochaltar von 1526 wie in seinem Nachfolger von 1732 findet sich eine geschnitzte Eiche mit einem Kreuz in der grünenden Baumkrone, ein Element der Landschaft, eingebunden in die feierliche Architektur der Stiftskirche.

Auch der Name „Zwettl“ selbst ist eng mit der Landschaft verknüpft. Aus dem Slawischen abgeleitet („svetlá“) verweist er auf ein „Lichtes Tal“, wie es auch in der lateinischen Übertragung von Zwettl zum Ausdruck kommt: „Clara vallis“ (eine Bezeichnung, die eine Reverenz gegenüber der Primarabtei Clairvaux darstellt.)

Die starke Beziehung von Kloster und Landschaft – von Anfang an – bringt die bildliche Darstellung des „Umritts“ zum Ausdruck.
Die künstlerische Grundlage bildete dabei die mittelalterliche Form der „Mappa mundi“, der Weltkarte: Als ideale Landschaft wird das Kloster mit seinem Umland zum Sinnbild einer gottgewollten Ordnung, in der die Klosterkirche den Platz von Jerusalem (und damit dem Ort der Auferstehung Jesu) einnimmt.

Im 18. Jahrhundert wurde das Verhältnis von Stiftsgebäude und Landschaft durch die Errichtung des Kirchturms neu definiert. Die prächtige Architektur Matthias Steinls, die zu den zentralen Meisterwerken des österreichischen Barock zählt, beeindruckt nicht nur durch ihre markante Dominanz inmitten der umgebenden Wälder. Auch das Material selbst, Granit, ist raffiniert zum Einsatz gebracht, um ein harmonisches, unaufdringliches Korrespondieren von Architektur und Landschaft zu erzielen.