Zwei Wochen lang arbeiteten internationale TeilnehmerInnen am Erhalt der historischen Wehrmauer des Zisterzienserstifts Rein. Im Rahmen eines European Heritage Training Course erlernten sie traditionelle Maurertechniken und setzten diese unmittelbar am jahrhundertealten Mauerwerk ein.

Die Wehrmauer stammt aus dem 15. Jahrhundert. Witterung und Alter hatten deutliche Spuren hinterlassen: Putz und einzelne Steine lösten sich, Teile des Mauerwerks drohten weiter zu verfallen. Unter der fachlichen Anleitung des Restaurators und Handwerkers Peter Meder vom Verein Reiner Handwerk wurde ein ausgewählter Abschnitt behutsam instand gesetzt.

Historisches Mauerwerk Schicht für Schicht bearbeiten

Zu Beginn trugen die TeilnehmerInnen schadhafte und lose Bereiche vorsichtig ab. Die ursprünglichen Steine wurden dabei gesichert, geprüft und für den späteren Wiedereinbau vorbereitet. Anschließend wurde das Mauerwerk mit jenen Materialien und Techniken wieder aufgebaut, die auch mit dem historischen Bestand vereinbar sind.

Im Mittelpunkt stand die Arbeit mit Kalkmörtel. Dafür lernten die TeilnehmerInnen auch das heute nur noch selten vermittelte Handwerk des Kalklöschens kennen. Branntkalk wird dabei mit Wasser versetzt. Durch die chemische Reaktion entwickelt die Masse große Hitze, zischt und brodelt. Der gelöschte Kalk wird danach in eine Kalkgrube eingebracht und gelagert. Er bildet die Grundlage für einen Mörtel, der sich aufgrund seiner Eigenschaften für historisches Mauerwerk eignet.

Mit dem Kalkmörtel wurden die gesicherten Originalsteine wieder sorgfältig in den Mauerverband eingesetzt. Entscheidend waren dabei nicht nur die sichtbaren Mauerflächen, sondern auch ein stabiler Aufbau im Inneren der Mauer, passende Fugen und ein schonender Umgang mit der vorhandenen Substanz. So konnte ein weiterer Abschnitt der Wehrmauer gesichert werden, ohne seinen historischen Charakter zu verlieren.

Lernen am Original

Die praktische Arbeit wurde durch die Vermittlung von Wissen über historische Baustoffe, Mauertechniken und Denkmalpflege ergänzt. Die TeilnehmerInnen kamen aus den USA, Mexiko, Australien, Taiwan, Großbritannien, Irland, Finnland, Estland, Deutschland, Spanien, Rumänien und Bosnien-Herzegowina. Während ihres Aufenthalts wohnten sie im Stift Rein.